Redezeit in St. Martini

„Redezeit in St. Martini“: Jäcke spricht über Menschenwürde, Gleichberechtigung und Partnerschaft mit Changzhou

Minden (alo). Zur Premiere der „Redezeit“ widmet sich die Martinigemeinde der Würde des Menschen. Anlass ist dabei nicht nur der 70. Geburtstag des Grundgesetzes in diesem Jahr, sondern auch der Gedenktag zum Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September vor 80 Jahren. Initiiert hatten die Veranstaltungsreihe die beiden Pfarrerinnen Karin Daniel und Inke Reinhardt-Winteler. Als ersten Redner hatten sie Mindens Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) eingeladen.

Jäcke konzentrierte sich auf die ersten fünf Artikel des Grundgesetzes und dabei speziell auf den ersten: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ In den ersten fünf Artikeln seien alle grundlegenden staatlichen System- und Wertentscheidungen festgelegt, so Jäcke. Sie sollten sicherstellen, dass es nie wieder einen totalitären Staat geben dürfe.

Artikel 1 solle auch den Schwachen und Verletzlichen ihre Würde und Rechte garantieren, sagte Jäcke. Dazu gab er zu bedenken, dass diese demokratischen Rechte von einigen rechten Parteien in Frage gestellt würden, wenn zum Beispiel Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten, die vor Gewalt und Verfolgung geflohen sind, als „Sozialtouristen“ diffamiert oder als „potenziell kriminell veranlagt“ bezeichnet würden. „Menschen auf dem Mittelmeer sterben zu lassen, um Flüchtlinge von Europa fernzuhalten, ist unerträglich, unverantwortlich und inakzeptabel“, sagte Jäcke.

Ein wichtiger Teil war ihn auch Artikel 3: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Dazu wiederholte Jäcke den Appell aus seiner Antrittsrede als Bürgermeister im Oktober 2015: Es müsse Konsens bleiben, dass es keine Diskriminierung in unserer demokratischen Gesellschaft geben dürfe. Es gebe keine Rechtfertigung für Gewalt, weder gegen Flüchtlinge oder Flüchtlingsunterkünfte noch gegen Politiker oder andere Menschen.

Auch die Gleichberechtigung von Männer und Frauen war Thema der Redezeit. In der Stadtverwaltung sei die Quote zwar übererfüllt. Allerdings seien 50 Prozent der Frauen in Teilzeit beschäftigt und nur 46 Prozent der Männer. In den niedrigsten Einkommensquoten seien fast nur Frauen beschäftigt, in den höheren Einkommen fast nur noch Männer, sagte Jäcke. Im sieben Mitglieder umfassenden Verwaltungsvorstand gebe es nur eine Frau. „Hier ist noch Luft nach oben.“

Im Anschluss konnten die Besucher Fragen und Anregungen auf Zettel schreiben. Dabei wurde auch die Partnerschaft mit der chinesischen Stadt Changzhou angesprochen und die Frage aufgeworfen, ob es sinnvoll sei, mit einem totalitären Staat Partnerschaften zu schließen. Diese Frage sei auch im Rat diskutiert worden, antwortete Jäcke. Es gehe um einen langfristigen Prozess, in dem Außenpolitik auf kommunaler Ebene durch Begegnungen und Gespräche erreicht werden soll. Als Beispiel nannte er die Gespräche von Politikern mit Staaten des ehemaligen Ostblocks vor dem Mauerfall.

Bei der nächsten Redezeit am Sonntag, 29. September, ist ab 17 Uhr MT-Chefredakteur Benjamin Piel zu Gast in der Martinikirche.

Quelle: MT.(© Foto: Alfred Loschen)

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