Immer im Dialog für gegenseitiges Verständnis und Integration

 Noureddine Boulouh und seine „Minden Zeitung“ verbinden Menschen und Kulturen
Minden (bms). Noureddine Boulouh ist vielbeschäftigt. Er ist Lehrer, Dolmetscher und Übersetzer, er schreibt an seiner Doktorarbeit, gibt Kurse und hält Vorträge. Und er ist der Redakteur seiner eigenen Zeitung. Die „Minden-Zeitung“ veröffentlicht Texte rund um Minden sowie die Themen Bildung, Kultur und Flüchtlinge, sowohl in arabischer als auch in deutscher Sprache. Seine Arbeit macht Noureddine Boulouh zu einem Vermittler zwischen den Menschen und zwischen ihren Kulturen.
Boulouh lebt seit 18 Jahren in Deutschland, ursprünglich stammt er aus Marokko. Als Student in Münster war er an der dortigen Universität Vorstandvorsitzender der Ausländischen Studierendenvertretung. Schon damals stand er ständig im Dialog mit Studierenden unterschiedlicher Nationalitäten, war Ansprechpartner und Vermittler, half mit Rat und Tat. Sein soziales Engagement innerhalb der Hochschule und seine hervorragenden Leistungen brachten ihm einen Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ein. Dass er sich danach auch weiterhin sozial einbringen wollte, war für ihn keine Frage. „Ich sehe das ja beispielsweise auch an den Schulen, an denen ich unterrichte. Was Eltern dort alles tun, den Schulbetrieb und Veranstaltungen unterstützen“, sagt er. „Und genauso will ich auch ich mich einbringen und helfen, wo ich kann, mit den Fähigkeiten, die mir zur Verfügung stehen.“
Die „Minden Zeitung“ ist eine solche Hilfe, für die er seine sprachlichen Fähigkeiten, aber auch sein Verständnis für Menschen und Kulturen einbringen kann. Es geht um Neuigkeiten, die für Migranten wie für Mindener relevant sind. „Die Inhalte sollen motivierend sein, nicht destruktiv“, sagt der 40-Jährige. „Die Zeitung soll eine Plattform schaffen für die Kraft des Positiven. Flüchtlinge sollen etwas von dem mitbekommen, was in Minden passiert. Sie sollen wissen, was hier los ist und auch, was über sie gesagt wird.“ Für eine reguläre deutschsprachige Tageszeitung wie das MT genügen die Sprachkenntnisse der Geflüchteten oftmals noch nicht. Die „Minden Zeitung“ soll das Erlernen der deutschen Sprache fördern, daher stehen deutschen Texte und ihre Übersetzung ins Arabische direkt nebeneinander. „Es ist sehr wichtig, sich die deutsche Sprache zu erarbeiten. Bildung ist für mich auch Integration.“
Die Berichterstattung an sich ist dabei immer neutral und überparteilich. Auch dafür sind die deutschen Texte wichtig. Im Internet wird seine Zeitung manchmal harsch kritisiert. Rechte Netzwerke schreiben von „Unterwerfung statt Integration“. Die Übersetzungen gewährleisten dagegen Transparenz. Es gibt keine Politik, keine religiösen Themen. Boulouh will in seinen Artikeln, die er zum Teil aus dem Mindener Tagblatt übernimmt, zum Teil selbst verfasst, keine Stellung nehmen. „Neutralität ist generell wichtig für mich. Man darf nicht vergessen, dass zwar viele der Geflüchteten Moslems sind, aber dass die moslemische Religion eine Religion vieler verschiedener Kulturen ist.“ Daher liegt seine Zeitung auch vor allem in Bildungseinrichtungen wie Volkshochschulen, Büchereien oder Sprachschulen aus. „Dort erreicht sie eine bunte Mischung von Flüchtlingen und Migranten, nicht nur eine bestimmte Gruppe.“
Die arabischen Menschen in der Region kennen die „Minden Zeitung“ alle. Boulouh wird oft gefragt, wann die nächste Ausgabe erscheint. Die Leute geben ihm Ideen für Themen, er weiß immer, was für die Menschen interessant ist, was sie gerade beschäftigt. Im Grunde wie damals in der Uni: Noureddine Boulouh steht immer im Dialog. Mit Geflüchteten, mit den Eltern seiner Schüler, mit deutschen Kursteilnehmer, denen er die Feinheiten der unterschiedlichen arabischen Kulturen näher bringt. Auch den Migranten und Flüchtlingen rät er, ins Gespräch zu kommen und teilzunehmen am Leben in Minden. „Da ist beispielsweise ein Vater, der nur schlecht deutsch spricht. Ich habe ihm geraten, an dem regelmäßig stattfindenden Elternfrühstück in der Klasse seines Kindes teilzunehmen, Interesse zu zeigen. Und ja, erst saß er nur daneben und konnte sich nicht einbringen. Aber mit der Zeit wird es besser und dann bist du auf einmal wieder Teil von etwas, gehörst dazu und kannst dich austauschen.“ Das sei das allerwichtigste – Austausch, Anschluss. Niemand sei gern allein.
Mitte September erscheint die „Minden Zeitung“ noch einmal im Papierformat. Danach will Boulouh mehr auf das Digitale setzen. Auf der Homepage der Zeitung min-den.de, auf YouTube, Instagram oder Facebook will er ab dem kommenden Winter auch kurzfristig über Aktuelles berichten können. Bisher erscheint die Printausgabe quartalsweise. „Das macht es oft schwierig, zeitnah auf wichtige Themen Bezug zu nehmen.“ Digital soll es die Zeitung weiterhin geben, wie gewohnt mit Berichten aus der Region, Bildung, Kultur, Integration. „Und dann gerne vermehrt mit Artikeln von Frauen.“ Die zu mobilisieren sich in der Zeitung einzubringen, ist sein nächster Wunsch. Überhaupt hat er noch viele Pläne. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. „Das ist mein Hobby. Ich freue mich jedes Mal so sehr, wenn ich eine neue Ausgabe fertig ist.“ Und solange die Leute seine Zeitung gerne lesen, macht er weiter.

Michaela Meier. MT.

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