Gemeinsam gegen Mobbing

Gemeinsam gegen Mobbing: Projekt setzt auf mehr Zivilcourage an Mindener Schulen

Gewaltfrei Grenzen setzen: Bildungsreferent Krischan Oberle (vorne) übt mit Schülern Zivilcourage. Gemeinsam unterstützen das Projekt „Love Storm“ Karl-Heinz Ochs (Lokaler Aktionsplan Minden, links) und Ulrich Stadtmann (Vorstand im Bund für Soziale Verteidigung, rechts).

Minden. Wie ein Tsunami ist die Corona-Pandemie über die Schulen hinweggefegt. Aktuell bestimmen Aspekte wie Abstand, Masken, Vorerkrankungen, Klassengröße, Hygiene und Lüften den Alltag. Zum Start ins Schuljahr 2020/21 ist kaum Luft für anderes. Doch einige der altbekannten Probleme werden die Schulen aber wieder einholen: Mobbing gehört dazu. In den allermeisten Fällen reden die Betroffenen weder mit Lehrern noch mit ihren Eltern über ihr Problem. Die Bezirksregierung Detmold empfiehlt aktive Prävention.

Spott, Beleidigungen, Schikane: Das alles beschränkt sich längst nicht mehr auf Klassenzimmer oder Schulhof, sondern passiert immer öfter auch digital – rund um die Uhr. Was auf den Handys vieler Schüler abgeht, ist heftig. Mobbing ist ein Gruppenphänomen und wird oft unterschätzt. Acht Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren sind selbst bereits Opfer von Cybermobbing gewesen, ergab eine Studie (2016). Was kann man gegen den lähmenden Psychoterror tun?

Die Initiative „Love Storm“ zielt vor allem auf mehr Zivilcourage unter den Mitschülern. Bildungsreferent Krischan Oberle arbeitet beim Bund für Soziale Verteidigung (BSV) in Minden und besucht Schulklassen, um mit ihnen zu üben, wie man sich gegen die systematische Schikane wehren kann. Denn falls nicht gegengesteuert wird, kann Mobbing auf Dauer das Klima vergiften. Nicht immer jedoch sind gut gemeinte Aktionen hilfreich. Darum setzt der BSV vor allem auf die frühe Intervention der Mitschüler. Niemand möchte selber zur Zielscheibe für Angriffe werden. Viele Menschen bleiben stumm, weil sie nicht wissen, wie sie sich Hilfe holen können oder was sie aktiv gegen Hass und Cyber-Mobbing tun können. Das Ziel des Projekts ist: Schüler sollen nicht länger die Augen verschließen vor den fiesen Attacken, sondern sich einmischen. Die Idee dahinter: Zivilcourage kann man lernen und auch dauerhaft trainieren.

Seit Mitte März hat es keine Schulbesuche mehr gegeben. Einzelne Workshops gab es lediglich im Fachwerk am Schwarzen Weg. Jetzt wollen Karl-Heinz Ochs (Lokaler Aktionsplan Minden) und Ulrich Stadtmann (BSV-Vorstand) das Projekt „Love Storm“ auch in den Schulen wieder anschieben. „Aus der Zeit der Ratlosigkeit kommen wir jetzt in die Phase des Ausprobierens“, sagt Karl-Heinz Ochs. Was geht und was geht nicht? Das loten die Organisatoren derzeit aus. Ulrich Stadtmann glaubt: „Jetzt ist so ein Training nötiger denn je, weil sich viele Kinder und Jugendliche in der Corona-Zeit noch mehr im Netz aufhalten als sonst.“ Der Diplom-Politologe ist seit April 2019 im BSV-Vorstand.

An den Schulen arbeitet Bildungsreferent Krischan Oberle mit Mitteln der Theaterpädagogik. Unter Corona-Bedingungen wäre es möglich, die Klassen zu teilen, um die Abstände zu gewährleisten. Geeignet sei das Programm ab Klasse 6 aufwärts. Es kann allerdings auch schon früher ein Thema werden: „Nämlich dann, wenn Kinder das erste Mal mit Hass im Netz konfrontiert werden.“ Möglichst früh sollten die Schüler sozialverträgliche Umgangsweisen erlernen, die den Grundstein für eine gewalt- und mobbingfreie Schulkultur legen.

Gewaltfrei Grenzen zu setzen, lässt sich auch auf der „Love Storm“-Homepage üben. Dabei handelt es sich um eine Plattform gegen Hass im Netz. Sie hat drei Hauptfunktionen: Interessierte lernen und trainieren, wie sie der Hate Speech (Hassrede) entgegentreten können. Über ein Alarmsystem können Hassvorfälle unkompliziert gemeldet werden. Aktive vernetzen sich auf der Plattform und nehmen gemeinsam an Gegenrede-Aktionen, den Love Storms, teil.Gewaltfrei

 

Grenzen setzen: Bildungsreferent Krischan Oberle (vorne) übt mit Schülern Zivilcourage. Gemeinsam unterstützen das Projekt „Love Storm“ Karl-Heinz Ochs (Lokaler Aktionsplan Minden, links) und Ulrich Stadtmann (Vorstand im Bund für Soziale Verteidigung, rechts). MT-Foto: Anja Peper © Anja Peper

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.