Bildungsministerin Gebauer gegen schnelle Schulschließungen nach Corona-Ausbrüchen

NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer setzt auf so viel Präsenzunterricht wie möglich. Das sagte sie am Freitag bei ihrem Besuch in Minden, zu dem sie von Hartmut Freise (FDP-Stadtverband) begrüßt wurde.

Minden. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ist gebürtige Kölnerin. Falls ihr die zurückhaltende ostwestfälische Begrüßung fremd sein sollte, so lässt sie es sich nicht anmerken. Ein Stau auf der A2 hält sie am Freitagnachmittag so lange auf, dass sie mit 20 Minuten Verspätung im Hotel „Lindgart“ auftaucht. Ohne große Entourage kommt sie rein, vorschriftsmäßig mit Maske, die sie ja seit Beginn des neuen Schuljahres auch von den knapp 2,5 Millionen Schülern in Nordrhein-Westfalen erwartet. „Grüß Gott zusammen!“, sagt sie zu den etwa 60 Gästen auf einzelnen Stühlen. Der ein oder andere nickt freundlich in ihre Richtung. Aber ein überwältigender Empfang sieht doch anders aus. Ihr Thema an diesem Nachmittag: „Schule in Corona-Zeiten: Wie ist es gelaufen – wie geht’s weiter?“ Diese Frage brennt ihren Zuhörern unter den Nägeln.
Obwohl der FDP-Stadtverband die Ministerin eingeladen hat, ist es keine Partei-Veranstaltung. Die meisten Besucher sind Lehrer, Schulleiter, Eltern, manche auch Ärzte oder Apotheker. Was jeder hier im Saal weiß: Die Corona-Krise setzt Kindern enorm zu. Kindermediziner beobachten eine Zunahme körperlicher und seelischer Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen. Besonders betroffen seien Kinder ab sechs Jahren, ergab eine Studie. Damit sie nicht verloren gehen, setzt die Ministerin vor allem auf Präsenzunterricht. „Zu viele Kinder haben wir mit Distanzunterricht nicht erreicht.“ Sie hält daher nichts von schnellen Schulschließungen im Fall von Corona-Ausbrüchen. „Wenn es Fälle an Schulen gibt, soll großflächig getestet werden. Das klappt noch nicht so flächendeckend, wie ich mir das vorstelle.“ Wenn Gesundheitsämter vor Ort unterschiedlich handeln, sorge das für Verunsicherung. Um hier einen einheitlichen Weg zu finden, werde Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) demnächst noch einmal die Gesundheitsämter anschreiben. Gebauers Linie ist klar: „Sofort die ganze Schule zu schließen und alle zwei Wochen in Quarantäne zu schicken, das ist nicht mein Weg.“ Im Übrigen sieht sie eher private Feiern oder größere Veranstaltungen als gefährliche Corona-Hotspots. Die Schulen seien hingegen weniger das Problem.

m Hinblick auf die Maskenpflicht im Unterricht, die vorerst bis Ende August gelten soll, vertritt sie daher die Meinung: „Kinder sollen nicht dafür büßen, wenn Erwachsene sich nicht an Regeln halten.“ Insgesamt sei es wichtig, dass sich Städte und Gemeinden auf ein gemeinsames Vorgehen einigen: „Alle Schritte müssen nachvollziehbar sein und die Eltern schnell informiert werden.“

Angesichts des engen Zeitplans der Ministerin darf jeder Gast nur eine Frage stellen. Gleich die erste kommt von einem Vertreter der Verbundschule Hille und zielt auf das Problem der überfüllten Schulbusse. Das Problem sei in Düsseldorf bereits bekannt, sagt sie. Es fehle an Bussen und Fahrern. Aber sie macht sich eine Notiz in ihren Unterlagen: „Doppelt hält besser.“

Ein Zuhörer möchte wissen, ob es einen Plan B gibt für den Fall, dass die Schulen erneut schließen müssen. Könnte zum Beispiel das Schuljahr verlängert werden? Nein, ist die Antwort von Ministerin Gebauer. „Es gibt keinen Plan B. Wir könnten uns wirtschaftlich keinen zweiten Lockdown leisten.“ Sie möchte den Kindern so viel wie möglich vom normalen Alltag zurückzugeben. Besonderes Augenmerk solle den Abschlussklassen gelten. Aufmunternde Worte von Hartmut Freise (Stadtverband): „Wir Liberale sind belastbar bei Gegenwind.“

NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer setzt auf so viel Präsenzunterricht wie möglich. Das sagte sie am Freitag bei ihrem Besuch in Minden, zu dem sie von Hartmut Freise (FDP-Stadtverband) begrüßt wurde. MT- © Foto: Alex Lehn

Die Autorin ist erreichbar unter Telefon (0571)882 231 oder Anja.Peper@MT.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.