Andacht zum Tag der Einheit

Vor dem Mindener Dom gab es eine Andacht zum Tag der Einheit

Minden (rgr). Etwa 60 Menschen hatten sich am Tag der Deutschen Einheit mit Kerzen in den Händen vor dem Dom versammelt. Grund dafür waren die Freude und Dankbarkeit über die gewaltfreie und friedliche Revolution die vor 30 Jahren zur deutschen Wiedervereinigung führte und die Rolle der Christen dabei.

Pastor Olaf Mohring und die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Minden hatten eingeladen. Aus seiner alten Gemeinde in Celle kennt Pastor Mohring den dortigen Gemeindeleiter Olaf Mundt, der damals Offizier in der Nationalen Volksarmee (NVA) war und von seinen Erfahrungen aus dieser Zeit berichtete.

Viel bekamen die Soldaten der NVA nicht mit von dem, was in ihrem Land vor sich ging, denn das Fernsehen war für sie verboten. Trotz unklaren Informationen wussten sie natürlich von den Ausreisen über Ungarn und auch von den Demonstrationen. So herrschte auch in den obereren Rängen eine große Unsicherheit, die noch verstärkt wurde, da keine entsprechenden Befehle kamen. Die Situation entwickelte sich immer schneller und dynamischer bis zur Öffnung der Mauer, von der die Soldaten erst spät erfuhren.

Das vorherrschende Gefühl danach und das Warten auf die weitere Entwicklung beschreibt Olaf Mundt als „angespannte Leere“. Als er sich später als arbeitsloser NVA-Offizier auf dem Amt meldet, wird er ausgelacht, findet aber Arbeit in seinem alten Lehrbetrieb. Er ist völlig desillusioniert und kann an nichts mehr glauben und sucht Zuflucht in Alkohol und Drogen. Als er Christen kennenlernt, geben diese ihm das Buch „Und die Bibel hat doch recht“. Da er die dort angesprochenen Schriftstellen nicht kennt, kauft er sich eine Bibel und liest sie in kurzer Zeit vom ersten bis zum letzten Kapitel.

Im Neuen Testament wurden die Texte für ihn persönlicher. Er fragte sich, wem er sich noch anvertrauen konnte. Bei einer „Pro Christ“-Veranstaltung betete er zu Christus: „Wenn es dich gibt, ist gut, wenn nicht, ist das auch egal, denn mehr als bisher kann ich nicht enttäuscht werden.“ Seitdem ist er Christ, heiratete eine Frau, die zu einer Baptistengemeinde gehört, lebt mit ihr in Winsen/Aller und ist einer der Leiter der Evangelisch-Freikirchlichen-Gemeinde Celle. Superintendent Jürgen Tiemann brachte im abschließenden Gebet seine Dankbarkeit über den friedlichen Verlauf der Wende zum Ausdruck und erzählte von einem anderen NVA-Offizier der berichtete: „Wir haben mit allem gerechnet aber nicht mit Kerzen und Gebeten.“

Quelle: Foto:(© Rolf Graff)

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